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Geschichte und Kritik der materiellen Kultur


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Marshall McLuhans großer Medien-Hype

Interpretation anhand der Textsammlung "absolute Marshall McLuhan"


Die große Berühmtheit Marshall McLuhans schien mir immer schon mit dem Aspekt Marketing verknüpft zu sein. - Ich meinte, entweder er macht Werbung für die Medien, oder er versucht, auf den Zug der boomenden Medienbranche aufzuspringen, um für sich selbst Werbung zu machen.
Dabei waren elektronische Medien in den 60er Jahren - abgesehen vielleicht von denen der Popmusik - noch bestenfalls eine Fiktion.
Und 60 Jahre später erfüllen sie auch als Innovationsprojekt einflussreicher Kreise immer noch keine angemessene Funktion.


    Biografisches
    Medien-Unschärfe: McLuhans Medien
    1. Medien - Heiß und kalt
    2. Kommunikationsmedien und Tribalismus
    3. Technikfolgen
    Quellenangaben


Unter dem Eindruck der hier veröffentlichten Texte und der beigefügten Biografie von Philip Marchand könnte man zu dem Urteil gelangen, dass im Fall von Marshall McLuhan Scharlatanerie an die Stelle von Kompetenz getreten ist.
Seine inhaltsarmen Hypothesen und Texte erinnern fast ein wenig an die Ausflüchte von Legasthenikern.

Seine Theorie, dass gedruckter Text in ungesunder Weise den visuellen Teil menschlicher Wahrnehmung beanspruche, war vielleicht einfach eine psychische Berufskrankheit. Denn schließlich musste er sich als Literaturwissenschaftler ständig mit schwer verständlichen Texten herumschlagen ...

McLuhans Forschung fokussierte wohl auf das Erkennen von Strukturen [Marchand 2011], was vielleicht seine Tendenz zu unzulässigen Verallgemeinerungen förderte.



Biografisches

Seine Mutter sei sehr dominant gewesen, so dass spätere "intellektuelle Gegner für ihn nur mehr kleine Fische" waren. Andererseits habe er unter dem Komplex gelitten, als Landei ('yokel') geboren zu sein, was vielleicht mit einem gewissen Maß von Ignoranz und der Fähigkeit verbunden war, "pausenlos neue Theorien" zu produzieren. [Marchand 2011]

Beim Studium im englischen Cambridge und in seiner Dissertation lernte er das mittelalterliche 'Trivium', die Studienbereiche Grammatik, Rhetorik und Dialektik (oder Logik) kennen [Marchand 2011].
Das diesem ‘Trivium’ innewohnende Prinzip der Wirkung durch Methode hat McLuhan bei seiner späteren Analyse von Kommunikation und Technologie berücksichtigt.


Angeblich wegen seiner Seelenverwandtschaft zu dem Schriftsteller Gilbert Keith Chesterton, dem Verfasser der unsäglichen “Pater Brown” - Romane, ist er irgendwann zum Katholizismus konvertiert.
McLuhans Vorlesungen am katholischen St. Michaels College in Toronto, wo er eine Professur von 1946 bis zu seinem Tode innehatte, wurden nicht unbedingt rückhaltlos akzeptiert. [Marchand 2011]

Einfluss auf McLuhans Konzepte erlangte Harold Adams Innis mit einer ausgearbeiteten politischen Ökonomie der Kommunikationsmittel in der Geschichte.


In den 30er und 40er Jahren gewann in universitären Kreisen die Strategie an Bedeutung, die Wirtschaft davon zu überzeugen, "dass ihr eigentliches Produkt von nun an Information" sei [Marchand 2011].

Die dabei erzeugte "Information" muss allerdings vor allem als kapitalistische Ideologie aufgefasst werden.

McLuhan war sich darüber im Klaren, dass die Methode der Werbung Lüge und Verführung ist. Die Entlarvung der Lügen der Werbung war vielleicht sein eigentliches Lebensthema, weil er sich damit in seinen besten Jahren beschäftigt hat.

Nach jahrelangen Analysen wurde 1951 "Die mechanische Braut" veröffentlicht, worin McLuhan den tiefenpsychologischen Ursprüngen von Werbung nachgeht, also kulturellen Mythen.

Das eigentliche Verdienst an diesem Buch scheint aber dem Verleger zu gebühren, da der Urheber des Skriptes eigentlich unfähig zur Autorschaft war. [Marchand 2011]


Doch ab 1959 scheint McLuhan zunehmend selber Bedeutung für das anscheinend lukrative 'Management - Consulting' gewonnen zu haben.

Er hatte im Auftrag einer us-amerikanischen Organisation des Schul-Fernsehens 1958 - 60 einen "Report on Understanding New Media" für die 11. Klassen verfasst, der aber selbst für Studenten zu ambitioniert war.

Eine sehr stark erweiterte Fassung des Reports erschien 1964 als "Understanding Media - The Extensions of Man" (deutsche Übersetzung: "Die magischen Kanäle. Düsseldorf/ Wien, 1968.) mit "sieben Einleitungskapiteln" .. "über die Natur im Allgemeinen" und "so vielen Kapiteln", wie das englische Alphabet Buchstaben hat (26), über die einzelnen Medien [Marchand 2011].

Darin erschien auch bereits sein Bonmot vom Menschen als "Geschlechtsteil der Maschinenwelt".



In den vorliegenden Texten verbreitet McLuhan eher Schlagworte, die er beliebig mit positiven oder negativen Assoziationen versieht. Medien werden von ihm praktisch gleichzeitig zu Utopien und zu Schreckenvisionen gemacht.

Seine Texte durchzieht eine missverständliche, schizoide Mehrdeutigkeit, die man bei weniger bekannten Persönlichkeiten als Dämlichkeit charakterisieren würde. McLuhan bringt es immer wieder fertig, in einem und demselben Satz zwei gegensätzliche Aussagen unterzubringen!

Es läuft darauf hinaus, dass er als wissenschaftliche Kapazität entgegen allen Erwartungen in seinen Veröffentlichungen nicht versteht, die von ihm bekannten, ziemlich unsinnig erscheinenden Axiome zu erklären und aufzulösen, sondern sie durch noch unsinnigere Argumente in Frage stellt.
Auch seine Schrift "The Gutenberg Galaxy", 1962 im Alter von gut fünfzig Jahren veröffentlicht, erweckt eher den Eindruck von akademischem Gefasel.

Seine mündlichen rhetorischen Fähigkeiten sollen viel größer gewesen sein.

Dabei sind für mich auch viele der in seinem Playboy-Interview 1969 wiedergegebenen, unzusammenhängenden Äußerungen eher groteske, dunkle und sogar drohende Prophezeiungen als nachvollziehbare oder praktisch anwendbare Argumente.

Zu seinem Image gehörte, jederzeit unverbrüchliche Leitideen und Axiome aus dem Ärmel schütteln zu können, über deren wahren Gehalt man sich allerdings streiten konnte.


Beispielsweise behauptete er, das Ziel des Fernsehzuschauers sei eigentlich "der innere Trip" [Playboy-Interview 1969] (- wobei es mit der medialen Umsetzung jedenfalls meistens weitgehend haperte).

Dann empfiehlt McLuhan in diesem Interview aber auch halluzinogene Drogen, um sich mit den elektronischen Medien "anzufreunden". Er redet also ziemlich irre, zumal er im selben Atemzug behauptet, selbst nie halluzinogene Drogen genommen zu haben.


1965 portraitierte ihn Tom Wolfe im "New York - Magazine", womit er zu so etwas wie einem Medienstar geworden war.

Daher wurde er im Januar 1967 vom Verwaltungsrat des Staates New York auf einen befristeten und hochdotierten "Albert-Schweizer-Lehrstuhl" an der jesuitischen Fordham University berufen.

In seiner New Yorker Zeit musste McLuhan an einem Tumor operiert werden, von dem er sich nicht mehr vollständig erholte.


Bei seiner Rückkehr nach Toronto habe McLuhan unter dem Einfluss der apokalyptischen Stimmung gestanden, die sich im Herbst 1968 in den USA breit gemacht habe [Marchand 2011].
Er befürchtete, "das Fernsehen könne die Rassenkonflikte in Amerika verschärfen", da Schwarze in ihm besser aussehen als Weiße, und empfahl deshalb kurzerhand sein Verbot [Marchand 2011].

Nach einem schweren Schlaganfall Ende September 1979 konnte er nicht mehr sprechen, lesen oder schreiben; er starb am 31.12.1980.



Medien-Unschärfe - McLuhans Medien




Quellenangaben:

Martin Baltes/ Rainer Höltschl (Hg.): absolute Marshall McLuhan. Freiburg, 2011.
- Die mechanische Braut. (Original: The Mechanical Bride - Folklore of Industrial Man. New York, 1951.)
- Kultur ohne Schrift. (Original in: Explorations vol.1; Toronto, Dec. 1953.)
- Die Gutenberg-Galaxis, Düsseldorf/ Wien, 1968 (Gekürzte Ausschnitte; Original 1962).
- Medien- und Kulturwandel (Vorwort zu Harold Innis: Bias of Communication. Toronto, 1964.)
- Medien verstehen - die Ausweitungen des Menschen (1964) (aus: Die magischen Kanäle. Düsseldorf/ Wien, 1968.)
- Das Medium ist Massage (Original 1967; Neuübersetzung).
- Krieg und Frieden im globalen Dorf. Düsseldorf/ Wien, 1971. (Ausschnitte; Original 1968).
- Geschlechtsorgan der Maschinen. Interview mit Eric Norden; deutsch von R. Höltschl. (Original: “A Candid Conversation with the High Priest of Popcult and Metaphysician of Media." Playboy, March 1969.)

Philip Marchand: Biografischer Essay [in: M. Baltes/ R. Höltschl (Hg.): absolute Marshall McLuhan. Freiburg, 2011.]



©  Stephan Theodor Hahn, Bad Breisig, am 27.11.2020