Beginn

Man weiß nicht so recht, zu welchem Zweck, doch die zeitgenössischen Genetiker haben eine Technik gefunden, alle Lebenserscheinungen mit Hilfe statistischer Genom-Analysen in Stammbäume zu zwängen. Die naturwissenschaftlichen Disziplinen scheinen nicht mehr ohne Genanalyse auszukommen, das gilt gerade auch für die Stammesgeschichte zur Erklärung der Biodiversität, die sogar innerhalb der Spezies Mensch auftritt. - Trotz ihrer Modernität sind diese Methoden sicher nicht besser als die Bestimmung der Rassenzugehörigkeit auf Grund metrischer Unterschiede. Übrigens lassen sich beide Methoden weder auf geografische Räume noch auf menschliche Gruppen lokalisieren.


Die genetische Distanz zwischen Afrikanern und den übrigen Menschen soll größer sein als zwischen allen anderen Gruppen. Ein Ast des menschlichen Stammbaums verzweigt sich bis heute in Afrika, ein anderer Hauptast hat sich andernorts verzweigt. Die Ursache soll das schwer zu überwindende saharisch-arabische Trockengebiet sein. Von der nördlichen Population der Proto-Asiaten trennten sich zuerst die Australier, dann die Ostasiaten, zuletzt die Europäer. Doch als weitere Komponente des basalen Menschentyps dürfte auch eine tropische Küstenbevölkerung zu berücksichtigen sein.

Von Interesse sind die auf Isolation oder Migration zurückzuführenden geografischen Verortungen Eurasiens. Wegen der Größe dieser Landmasse und wegen der in ihr auftretenden geografischen Barrieren scheinen dort mehrere ethnische Entwicklungszentren bestanden zu haben.



Die Großrasse Südostasiens

Eine der absurdesten Theorien der Welt lautet, dass es eine schwarze, eine weiße und eine gelbe Rasse gebe; dementsprechende Fachbeiträge wurden noch in den 50er Jahren veröffentlicht, als man von drei Brutöfen ('incubator') der menschlichen Entwicklung sprach, nämlich Ostafrika, dem Kaukasus und N-China. [J.E. Spencer: Asia East by South - A Cultural Geography. New York/ London, 1954.]

Ohne die Qualität des afrikanischen oder nordchinesischen Brutofens bemängeln zu wollen, meine ich, dass es durchaus angebracht wäre, weitere Brutöfen im Orient, in Indien, im pazifischen Südostasien und auf dem australischen Kontinent einzuplanen. Der Kaukasus hatte im Vergleich zu diesen sicher nur eine untergeordnete Bedeutung.


Man scheint sich teilweise nicht darüber im klaren zu sein, ob die Ostasiaten aus eurasischen oder eu-asiatischen Gebieten stammen. Auf Grund der klimatischen Verhältnisse unter eiszeitlichem Einfluss ist es aber wahrscheinlicher, dass das südöstliche Asien ein autochthones Entwicklungsgebiet bildete und Mittelasien als Herkunftsgebiet der Ostasiaten keine große Rolle spielte.
Es ist sogar wahrscheinlich, dass auch die Besiedlung Mittelasiens wegen der Ausdehnung der Wüsten in der Eiszeit nicht den Weg über Nordafrika und Palästina nahm, sondern vom tropischen Süden her erfolgte.


Die nun alles bestimmende thematische Fragestellung ist, in welcher Beziehung stehen die Ostasiaten zu den Südostasiaten?

Definitionsgemäß sollten beide aus Proto-Mongoliden oder besser Proto-Ostasiaten als gemeinsamen Vorfahren hervorgegangen sein, und ebenso wie in geschichtlicher Zeit gab es möglicherweise seit jeher einen kontinuierlichen Kultur- und Genaustausch zwischen Nord und Süd. In vielen Veröffentlichungen wird dabei auf die starke von Norden ausgehende Dominanz hingewiesen. Dies wird dadurch begründet, dass in der nördlichen Ebene Chinas ein neolithisches Entwicklungszentrum bestand.

Weniger bekannt ist, dass es auch eine starke südliche Expansion gegeben hat, die beispielsweise die Banane als essentiell wichtige Kulturpflanze nach Afrika brachte.

Die Ethnien des südostasiatisch-indonesischen Raumes könnten andererseits in besonderem Maß auf nacheinander aus dem Westen eintreffende Einwanderer beruhen, so dass sie allein schon auf Grund solcher Einflüsse einen besonderen Menschentyp bilden.

Der asiatische Norden bildete dagegen klimatisch bedingt ein peripheres Gebiet, welches die Veränderung zu den physiognomischen Eigenschaften der Mongolen erst hervorgerufen haben soll. Dabei ist zu beachten, dass Südchina nie unter den Einfluß dieses kalten Klimas geriet.

Angesichts dieser Gegebenheiten haftet der Terminologie von südostasiatischen Proto-Mongoliden etwas Absurdes an, denn die Bewohner des Archipels haben physisch oder ökologisch und auch kulturell wenig mit den nordasiatischen Völkern zu tun.

Andererseits berufen sich viele Ethnien, sogar die Malaien, oft ausdrücklich auf ihre angeblich chinesischen Ursprünge. Es wäre aber wichtig, darauf hinzuweisen - chinesische, nicht mongolische Ursprünge, wenn auch Kubilai Khans Flotte bis Java kam.





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